Wirkung von Insektiziden auf die Übertragung von Viren durch Kartoffel besiedelnde Blattläuse

  • Thomas Thieme BTL Bio-Test Labor GmbH Sagerheide
  • Udo Hoffmann BTL Bio-Test Labor GmbH Sagerheide
  • Udo Heimbach Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, Braunschweig
Schlagworte: Kartoffel, Insektizide, Blattlausverhalten, Aphis frangulae, Aulacorthum solani, PVY Übertragung

Abstract

Mit Hilfe von zeitgekoppelten Video-Aufzeichnungen wurde das Verhalten von Blattläusen auf Kartoffel-Blattscheiben untersucht. In den Experimenten wurden sowohl Geflügelte als auch Ungeflügelte von Aphis frangulae und Aulacorthum solani berücksichtigt.

Als Parameter für die Beeinflussung des Verhaltens von Aphiden durch Insektizide (Ripcord 10 und Confidor) wurden die Anzahl der Probestiche, die Zeit bis zum Beginn des ersten Probestichs, die mittlere Dauer der Probestiche und die mittlere Gesamtdauer aller Probestiche in der Versuchszeit von 15 Minuten registriert.

Zwischen dem Verhalten der geprüften Blattlausarten und dem der beiden Morphen ließen sich Unterschiede nachweisen. Die meisten Probestiche setzten im unteren Temperaturbereich (16°C) ungeflügelte Weibchen von A. solani. Die geringste Anzahl von Probestichen wurde für geflügelte A. frangulae ermittelt.

Nach Applikation von Insektiziden reagieren die Blattläuse artspezifisch unterschiedlich. Bei beiden Arten werden die aufeinander folgenden Probestiche während der Prüfung auf Blattscheiben immer kürzer. Dieses Verhalten wird sonst bei Blattläusen auf Nichtwirtspflanzen beobachtet.

Ripcord 10 verursachte eine starke Beunruhigung beider Arten, die letztlich durch eine „Schmerzhaltung“ beantwortet wird. Mit Ausnahme von ungeflügelten A. frangulae führte die Anwendung von Ripcord 10 bei den geprüften Morphen zu einer Verringerung der Anzahl von Probestichen und zumindest in der Tendenz zu einer Reduktion der Dauer der Probestiche. Die wenigsten Probestiche setzten die Blattläuse unter Einwirkung von Ripcord 10 im höheren Temperaturbereich.

Der Wirkstoff Imidacloprid verursachte keine Beunruhigung der Versuchstiere, wie sie für Ripcord 10 beschrieben wurde. Während bei höheren Temperaturen die Ungeflügelten von A. solani die wenigsten Probestiche setzten, zeigten die Geflügelten dieser Art bei geringerer Temperatur die stärkste Reduktion der Anzahl der Probestiche.

Die Geflügelten von A. frangulae zeigten eine entgegengesetzte Reaktion, sie führten die wenigsten Probestiche bei höherer Temperatur aus. Die Ungeflügelten dieser Art realisierten im höheren Temperaturbereich unter Einfluss von Confidor mehr Probestiche als in der Kontrolle und erhöhten auch die mittlere Gesamtdauer der Probestiche.

Die Experimente mit reduzierten Aufwandmengen von Ripcord 10 ließen keine Beeinflussung der Aphiden erkennen, die zu einer verstärkten Infektionsrate von nicht persistenten Viren beiträgt.

Veröffentlicht
2009-01-01
Rubrik
Originalarbeit