Über die Möglichkeiten einer mikrobiologischen Bekämpfung von <i>Hyphantria cunea</i> (Drury ).

  • Aloysius Krieg Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Institut für biologische Schädlingsbekämpfung, Darmstadt
  • Lea Schmidt Entomologisches Institut der Landwirtschaftlich-Forstlichen Fakultät in Zagreb, Jugoslawien

Abstract

Nach den Befunden anderer Autoren (K l e m e n t, V a s i l j e v i c) und eigenen Beobachtungen gelingt es, mit B. thuringiensis den Weißen Bärenspinner in seinen Raupenstadien wirksam zu bekämpfen, wenn man folgende Voraussetzungen berücksichtigt:
(1) daß der Bekämpfungstermin möglichst früh gelegt wird, so daß man die empfindlichen Jungraupen (L1 bis 14) trifft;
(2) daß man nicht nur die sichtbaren Nester bekämpft, sondern befallene Bäume ganz behandelt, um eine Nesterneubildung aus übersehenen Eigelegen oder durch Auswanderun·g von Raupen aus behandelten Nestern zu verhindern;
(3) daß eine Konzentration der Spritzbrühe von etwa 0,2 % eines wirksamen Bazillenpräparates (Sporenzahl 107 bis 108/mg) bei einer Bekämpfungsaktion zur 100 %igen Abtötung ausreichen dürfte, wenn nach Punkt 1 und 2 verfahren wurde. Dazu benötigt man eine Aufwandmenge von 5 bis 20 l Spritzbrühe pro Baum, je nach dessen Größe.
Es ist ferner zu beachten, daß die Raupen nicht sofort (wie bei manchen Kontaktinsektiziden) nach der Applikation sterben, sondern erst nach Ablauf einer gewissen Zeit, daß aber Aufnahme von behandelten Blättern einen sofortigen Fraßstop bewirkt. Zu bemerken ist außerdem, daß trotz Regens (24 bzw. 27 mm) keine Beeinträchtigung der Bekämpfungserfolge eingetreten war, die verwendeten Präparate nach dem Antrocknen also eine genügende Haftfähigkeit besaßen.
Weiterhin zeigten unsere Versuche, daß B. thuringiensis eine latente Granulose in solchen Populationen zu provozieren vermag, deren Raupen bereits eine hohe Altersresistenz zeigen. Somit kann eine latente Virusverseuchung noch sekundär für Zwecke einer biologischen Bekämpfung ausgenutzt werden.
Während eine Bekämpfung von H. cunea mit B. thuringiensis in Obstplantagen risikolos empfohlen werden kann, trifft dies nicht für Morus-Pflanzungen zu, die durch die Seidenindustrie genutzt werden, da die Seidenraupen (Bombyx mori) ebenso wie die Raupen des Weißen Bärenspinners gegenüber B. thuringiensis empfindlich sind. - Diese Einschränkung gilt besonders für Japan, wo auch neuerdings H. cunea eingeschleppt worden ist.

Veröffentlicht
2019-08-26
Rubrik
Artikel