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Verleihung der Otto-Appel-Denkmünze im Jahr 2020 an Herrn Dr. Georg F. Backhaus

Journal für Kulturpflanzen, 72 (7). S. 338–339, 2020, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

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Das Kuratorium zur Verleihung der Otto-Appel-Denkmünze hat beschlossen, Herrn Dr. Georg F. Backhaus, den langjährigen Präsidenten des Julius Kühn-Instituts (JKI) und einer seiner Vorgängereinrichtungen, der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, für seine herausragenden organisatorischen und wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes mit der Otto-Appel-Denkmünze auszuzeich­nen. 

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Präsident Dr. Back­haus bei der Eröffnung der Deutschen Pflan­zenschutztagung im Jahr 2018 in der Uni­versität Hohenheim
(Foto: Robert Zech)

Als Sohn eines selbständigen Gärtnermeisters lernte Georg F. Backhaus die gartenbauliche Praxis von der Pike auf. Nach dem Studium der Gartenbauwissenschaften an der Universität Hannover entschied sich Backhaus für eine Promotion. Von 1980 bis 1983 und nochmals von Mai bis Dezember 1984 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz der Universität Hannover bei Professor Schönbeck tätig. Er befasste sich dort eingehend mit der Nutzung der endotrophen Mykorrhiza in der gärtnerischen Pflanzenproduktion. Zwischenzeitlich arbeitete er von 1983 bis 1984 für ein Jahr als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Forstmykologie und -pathologie der Schwedischen Landwirtschaftsuniversität in Uppsala, wo er sich mit speziellen Fragen zur Bedeutung von Mykorrhizapilzen bei der Produktion nachwachsender Rohstoffe befasste. Mit seiner Dissertation zum Thema "Untersuchungen zur Nutzung der endotrophen vesikulär-arbuskulären (VA) Endomykorrhizza in der gärtnerischen Pflanzenproduktion" schloss Dr. Backhaus seine Promotion an der Universität Hannover 1984 erfolgreich ab.

Zur Vorbereitung auf den Pflanzenschutzdienst folgte von März 1985 bis August 1986 ein Referendariat in Rheinland-Pfalz. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem Zweiten Staatsexamen führte ihn sein Weg in den Norden zur Landwirtschaftskammer Weser-Ems nach Oldenburg, wo er von 1986 bis 1993 das Referat für Pflanzenschutz im Gartenbau leitete.

Im Jahre 1993 wechselte Dr. Backhaus zur Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig und leitete dort von 1993 bis 2002 das Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau. Nach erfolgreicher Bewerbung um das Präsidentenamt wurde Herrn Dr. Backhaus im Jahr 2002 das Amt des Präsidenten und Professors der BBA übertragen.

Während seiner Amtszeit als Präsident der BBA kamen Aufgaben auf ihn zu, die bei seiner Berufung nicht absehbar waren: Im Jahre 2007 wurde die Ressortforschung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) umstrukturiert. Dr. Backhaus wurde für die Übergangszeit bis zur Errichtung des Julius Kühn-Instituts neben seiner Funktion als Präsident der BBA auch als Ansprechperson für die Leitung des zukünftigen Julius Kühn-Instituts benannt. Dies bein­haltete insbesondere die Mitwirkung und Umsetzung des Konzepts für eine zukunftsfähige Ressortforschung des BMEL. Sein Hauptaugenmerk galt der inhaltlichen Ausrichtung des JKI, doch auch vielfältige Aufgaben in den Bereichen Organisation, Personal und Haushalt waren von ihm wahrzunehmen.

Dr. Backhaus initiierte noch im gleichen Jahr erste Klausurtagungen mit allen betroffenen Institutsleiterinnen und -leitern der BBA, der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) und zwei mit Pflanzenbau und Pflanzenernährung befassten Instituten der Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), denn es galt, sich zusammen zu finden und gemeinsam den Grundstein für das neue Bundesforschungsinstitut zu legen.

Mit Wirkung vom 1. Januar 2008 wurde das Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, mit Hauptsitz in Quedlinburg gegründet. Dr. Backhaus wurde zum Präsidenten des JKI bestellt und hat diese Aufgabe bis zu seinem Ausscheiden zum 31. Dezember 2018 mit überaus großem Engagement wahrgenommen.

Seine große Fachexpertise war und ist sowohl in nationalen als auch in internationalen Fachkreisen gefragt. Lang ist die Liste der Gremien und Beiräte, in denen Dr. Backhaus mitwirkte und sich engagiert einbrachte; hier seien lediglich einige Beispiele genannt:

BioÖkonomierat der Bundesregierung

Wissenschaftlicher Beirat zum Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP)

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)

Deutsches Maiskomitee (Vorstand sowie Vorsitz im Ausschuss für Pflanzenschutz)

Ausschuss für Pflanzenschutz der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)

Wissenschaftlicher Beirat des Bundesinstituts für Risiko­bewertung (BfR)

Wissenschaftlicher Beirat des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren und Erfurt (IGZ)

Wissenschaftlicher Beirat der Hochschule Geisenheim

Wissenschaftlicher Beirat des Land- und Forstwirtschaft­lichen Versuchszentrums Laimburg, Italien

Wissenschaftlicher Beirat der Gemeinschaft zur Förderung der Pflanzenzüchtung

Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Gartenbau Gesellschaft 1822 e.V.

Wissenschaftlicher Beirat des Kompetenzzentrums Gartenbau (KoGa), Universität Bonn

Senat der Bundesforschungsinstitute im Geschäftsbereich des BMEL

Auf den Ausbau und die Intensivierung der nationalen und inter­nationalen Kooperation legte Dr. Backhaus großen Wert. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Kooperationsvereinbarungen des JKI mit Forschungseinrichtungen im In- und Ausland geschlossen. Zahlreiche Delegationsreisen des BMEL ins Ausland hat Herr Dr. Backhaus begleitet und fachlich unterstützt.

Auch in Berufsverbänden und wissenschaftlichen Organisa­tionen wirkte Dr. Backhaus engagiert mit, zu nennen sind hier beispielsweise:

Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft (DPG) (9 Jahre im Vorstand tätig)

Deutsche Gartenbauwissenschaftliche Gesellschaft (DGG)

International Society for Horticultural Sciences (ISHS)

Bundesverband der Hochschulabsolventen Gartenbau und Landespflege e.V.

Vereinigung für Angewandte Botanik e.V.

In den Jahren 2005 und 2016 wurde Dr. Backhaus mit der Medaille der Tschechischen Phytopathologischen Gesellschaft für die Förderung der bilateralen Beziehungen und Zusammenarbeit ausgezeichnet. Im Jahre 2010 wurde er mit der Albrecht-Daniel-Thaer-Medaille der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin geehrt. Nun kommt mit der Verleihung der Otto-Appel-Denkmünze in diesem Jahr die höchste Ehrung hinzu, die der deutsche Pflanzenschutz zu vergeben hat.

Dr. Backhaus hat sich in der Zeit seines vielfältigen und erfolgreichen Wirkens um den Pflanzenschutz äußerst verdient gemacht. Mit seinem Werdegang vom praktischen Gärtner über das Studium der Gartenbauwissenschaften mit Promotion im Fachgebiet Phytopathologie und nachfolgender Tätigkeit im Pflanzenschutzdienst bis hin zum Institutsleiter an der Biolo­gischen Bundesanstalt und zuletzt als Präsident des Julius Kühn-Instituts kannte Dr. Backhaus alle Sparten des Pflanzenschutzes sehr gut und konnte somit auf deren Bedürfnisse fundiert eingehen. Er war dabei stets um einen fairen Interessensausgleich zwischen den teilweise gegensätzlichen Positionen bemüht. Die Belange des praktischen Pflanzenschutzes hat er jedoch nie aus den Augen verloren. Mit einem guten Augenmaß für das fachlich Notwendige und gesellschaftlich Mach­bare verfolgte er zielstrebig die konsequente Weiterentwicklung effizienter und langfristig tragfähiger Pflanzenschutzkonzepte. Seine Entscheidungen waren wissenschaftsbasiert und zeichneten sich stets durch eine hohe Sachkenntnis und Praxistauglichkeit aus. Seine umfassenden Erfahrungen im Bereich der anwendungsbezogenen Wissenschaft, der Politikberatung und den behördlichen Aufgaben des Pflanzenschutzes machten ihn zu einem umsichtigen und fachkundigen Moderator in einem vielschichtigen Umfeld - vielfältig im Hinblick auf die zahlreichen Disziplinen der Phytomedizin und des Pflanzenschutzes, facettenreich aber auch im Hinblick auf die in diesem Sektor tätigen Akteure, angefangen von der Politik, den Ministerien und Behörden in Bund und Ländern, der Wissenschaft, der Wirtschaft bis hin zur Praxis. Zum Zusammenhalt dieses heterogenen Sektors hat Herr Dr. Backhaus als von allen Seiten anerkannter Brückenbauer maßgeblich beigetragen. Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Deutschen Pflanzenschutztagungen und den jährlichen Sitzungen des Deutschen Pflanzenschutzdienstes unter seiner Leitung hat Dr. Backhaus immer wieder entscheidende Impulse gesetzt und die Vernetzung gefördert. Vor diesem Hintergrund hat die "große Familie des Pflanzenschutzes" in Deutschland Dr. Backhaus viel zu verdanken.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Julius Kühn-Instituts gratulieren Herrn Dr. Backhaus sehr herzlich zur Auszeichnung mit der Otto-Appel-Denkmünze im Jahr 2020.

(Frank Ordon, JKI Quedlinburg)


ISSN (elektronisch): 1867-0938
ISSN (print): 1867-0911
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Präsident und Professor
Prof. Dr. Frank Ordon
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Erwin-Baur-Str. 27
06484 Quedlinburg
Schriftleitung
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