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Mitteilungen und Nachrichten

Mitteilungen und Nachrichten

Stadtgrünwissen kommunikativ!

Bericht zum X. Fachsymposium Stadtgrün des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Arbeitsgruppe Urbanes Grün des Julius Kühn-Institutes

Falko Feldmann, Mona Quambusch und Ute Vogler
Affiliation
Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, Braunschweig

Journal für Kulturpflanzen, 73 (3-4). S. 96–99, 2021, ISSN 1867-0911, DOI: 10.5073/JfK.2021.03-04.04, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Kontaktanschrift
Dr. Falko Feldmann, Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig, E-Mail: falko.feldmann@julius-kuehn.de
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Das X. Fachsymposium Stadtgrün: eine Online-Konferenz

Am 12. November 2020 fand das X. Fachsymposium Stadtgrün statt, das jährlich gemeinsam vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Arbeitsgruppe Urbanes Grün des Julius Kühn-Institutes organisiert wird. Wir fassen hier die Ergeb­nisse zusammen.

Eine Tagung mit diesem Thema als Online-Veranstaltung: geht das überhaupt? Die Covid 19 Pandemie erzwang das Format. Ein Kommentar eines Teilnehmers im Nachgang der Tagung brachte es auf den Punkt: mit Bezug auf das Eisberg­modell der Kommunikation von Sigmund Freud zog er das Fazit, Fakten und Informationen der Redner hätten unsere Sichtweise auf das Stadtgrünwissen sicher verändert. Doch man wisse im Nachhinein nicht, wen in welcher Weise. Dazu hätte der unbewusst aufgenommene, unsichtbare Teil der Kommunikation wie die Stimmungen, Gefühle, Wertvorstellungen oder Interpretationen gefehlt.

Tatsächlich haben wir während unserer Tagung, an der mehr als sechzig Personen teilgenommen hatten, viel über Kommunikation und ihre Wege gelernt. Schlagworte fielen wie Information, Kommunikationswege, Medien, Zielgruppengerechtigkeit, Motivation, Kooperation, Teilhabe. Und immer stand das Stadtgrünwissen im Mittelpunkt.

Stadtgrünwissen

Was aber ist Stadtgrünwissen in der Praxis? Vor dem Hintergrund der Planung des multifunktionalen, inklusiven Gemeinschaftsgartens „Ludwigsgarten Braunschweig“ (Feldmann, 2021) führten Dr. Falko Feldmann (Julius Kühn-Institut Braunschweig) und Stefan Röther (Lebenshilfe gemeinnützige GmbH Braunschweig) eine inter- und transdisziplinäre Definition des Begriffs ein. Auch wenn hier im speziellen Fall eine Kontakt­zone zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen geschaffen werden sollte, könne die Definition wohl auf jeden Gemeinschafts­garten angewendet werden. Rechtliche und versicherungs­technische Voraussetzungen, städteplanerische Aspekte, botanisches und gartenbauliches Pflanzenwissen, Wissen über die Stadtökologie einschließlich Klima und Biodiversität, gehörten zum Stadtgrünwissen ebenso dazu wie die Kenntnisse der Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzer bzw. Bewoh­ner des Quartiers. Dieses komplexe Stadtgrünwissen sei wesentlich für die Vorplanungen des Gartenkonzeptes gewesen, was dann über ein agiles Projektmanagement unter Partizipation vieler Akteure in die Implementierung überführt werden konnte. Wesentlicher Ausgangspunkt sei es gewesen, eine Kommunikationsstruktur über sozialarbeiterische Kompetenz aufzubauen. Diese habe die Menschen mit Beeinträchtigung ebenso angesprochen, wie auch die Bewohner des Quartiers aus der Nachbarschaft. Ein Projektmanager sei die entscheidende Person für die Kommunikation im Projekt gewesen und wurde durch eine Expertengruppe mit wechselnder Besetzung unterstützt. Jedem Projekt im Urbanen Grün rieten die Vortragenden, dem üblichen Planungsvorhaben eine Teilhabeplanung für alle Akteursgruppen voran zu stellen und klare Regeln und Pflichten in einem Nutzermanagementkonzept folgen zu lassen. Dadurch würde eine aktive und aktivierende Einbindung der Bürger in die städtische Grünplanung, -anlage und -pflege möglich.

Gardeniser

Die Bedeutung dieses agilen Projektmanagementansatzes bekräf­tigte Dr. Thomas van Elsen (Europäische Akademie für Landschaftskultur PETRARCA e. V.). Er stellte das jüngst abgeschlossene europäische Forschungsprojekt „Gardeniser“ dar (Gardeniser.eu, 2021). Der Begriff Gardeniser setze sich aus Gardener und Organiser zusammen und kennzeichne damit ein neues Berufsbild. Der Gardeniser sei eine Ausbildung, die Personen unterschiedlichster beruflicher Herkunft als Zusatzausbildung machen könnten, um professionelle Unterstützung und Beratung für Gartenprojekte sicher zu stellen. Während des Gardeniser-Projektes seien Aufgabenprofile erstellt, Ausbildungsprogramme entwickelt und in verschiedenen Ländern getes­tet worden. Ferner sei eine Akkreditierung des Ausbildungsprogrammes nach dem ECVET-System (European Credit System for Vocational Education and Training) erfolgt, womit Austausch und Vernetzung europaweit verbunden sei. Der Gardeniser könne insofern als eine sehr interessante Qualifikation für die bedeutende Funktion des Projektmanagers in Gartenprojekten für die Inklusion aller Bürger in den urbanen Gartenbau einschließlich der Nahrungsproduktion, angesehen werden.

Soziale Medien

„Soziale Medien sind ein neues Element der Öffentlichkeits­arbeit und ermöglichen eine neue Form der Kommunikation. Sie ist unmittelbar, direkt und damit alltagsnah, schnell und persönlich, wenn man sie richtig nutzt“, so führte Johannes Kaufmann (Pressestelle des Julius Kühn-Institutes) aus. Einige Zielgruppen seien über soziale Medien besser erreichbar als über klassische Kanäle, manche Zielgruppen über klassische Medien gar nicht zu erreichen. Diskussionen in Sozialen Medien über relevante Themen fänden ohnehin statt– nur durch Teilnahme lasse sich darauf einwirken. Über Soziale Medien sei auch die Vernetzung von Spezialistengruppen wie z. B. Wissenschaftsjournalisten mit Wissenschaftsbloggern und engagierten Laien möglich und effektiv. Wer in diesen Gruppen „mitmische“, habe Zugang zu einer Vielzahl von Multiplika­toren. Im Hinblick auf die Vermittlung und Diskussion von Stadtgrünwissen wies er darauf hin, dass unterschiedliche Medien bevorzugt von unterschiedlichen Nutzern bedient würden. Während beispielsweise Twitter eher für Journalisten, Politiker oder Unternehmen geeignet sei, könne man über Facebook eine große Zahl von Laien erreichen und bundesweit oder sogar international Projekte vernetzen. Zur Information von Akteuren eines Projektes seien aber unter Umständen klassische Medien zu bevorzugen. Blogs könnten als Wissensspeicher und Dialogforum dienen, Internetforen vor allem für den Wissensaustausch.

Partizipation

Partizipation von Bürgern einer Stadt an Planung, Anlage, Pflege und Nutzung der verschiedenen Elemente der Grünen Infrastruktur werden im Sinne des Weißbuches Stadtgrün von zahlreichen Städten gefördert. Philipp Sattler, Koordinator Netzwerk Garten & Mensch (DGGL e. V., 2021) in der DGGL (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V.) und Geschäftsführer der Stiftung Die Grüne Stadt (Stiftung DIE GRÜNE STADT, 2020), stellte dar, dass die Motivation von ehrenamtlich wirkenden Bürgern im urbanen Grün durch Wertschätzung ihrer Leistungen gesteigert werden könnten. So würden Regionaltagungen zum Netzwerken genutzt werden können und dem Erfahrungsaustausch zwischen Stadtgrün­interessierten beitragen. Preise wie der Kulturpreis der DGGL seien auf die Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements für Gärten, Parks und Plätze gerichtet. Diese Anerkennungskultur finde sich auch in dem bundesweiten Förderwettbewerb für erfolg­reiche Grünkonzepte in Städten der Stiftung Die Grüne Stadt wieder.

Partizipation könne aber auch durch gezielte Publikation von Broschüren und Informationsmaterialien zum Thema Grün in der Stadt verbessert werden. Themensetzung erfolgten aus der Praxis und gäben ihrerseits in der Praxis Denkanstöße und dienten als Wissensspeicher für Erfahrungen. Um Entscheidungsträgern und Engagierten zukunftsfähige Inhalte zu vermitteln, sei eine angepasste Kommunikation essentiell. Wenn diese aber gelänge, würde die Grüne Infrastruktur als Basis eines integral konzipierten, ökologischen, sozialen und kulturell hochwertigen Lebensraums in der Stadt, vom privaten Garten bis zum öffentlichen Grün als ein „must-have“ und nicht mehr bloß „nice-to-have“ verstanden.

Bürgerwissenschaften

Eine ganz andere Möglichkeit der Partizipation von Bürgern in der Stadt zeigte Dr. Marco Otto, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ökologie, Fachgebiet Klimatologie, der TU Berlin, auf: die Einbindung in bürgerwissenschaftlich getriebene Forschung im Stadtgrün (Wissenschaft im Dialog gGmbH, 2021). Dadurch werde Bürgern die Möglichkeit eröffnet, selbst Stadtgrünwissen zu schaffen und anderen Akteuren zur Verfügung stellen.
Citizen Science beschreibe die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell gebunden sind. Eine akademische Vorbildung sei keine Voraussetzung für die Teilnahme. Wichtig sei aller­dings die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, zu denen vor allem die Transparenz bei der Datenerhebung und die öffentliche Diskussion der Ergebnisse gehöre. Beteiligung an Citizen Science Projekten habe sich als sehr motivierend für alle Beteiligten herausgestellt. Ein Co-Design werde ermöglicht, aber nicht erzwungen, die Teilnehmenden würden „befähigt“, die Evaluation erfolge durch einen Peer Review-Prozess, Daten würden veröffentlicht (open access) und das neue Wissen werde durch Anwendung wertgeschätzt. Insgesamt würde durch die beteiligten Bürger ein besseres Verständnis ihres Umfel­des geschaffen und dadurch eine Partizipation an gestalterischen Prozessen erleichtert.

Verlage und ihre Rolle

Frau Mechthild Klett, Redaktionsleiterin des Journals „Stadt & Grün“ im Patzer Verlag, schilderte die Rolle von Verlagen bei der Erhaltung des Stadtgrünwissens und der Vernetzung spe­zieller Zielgruppen (Patzer Verlag GmbH & KG, Co., 2021).

Stadtgrünwissen werde in Verlagen in Zeitungen, Zeit­schriften, Büchern, Kalendern, Formularen, Normen, Tagungsbänden, Nachrichtenportalen, Marktplätzen, Verzeichnissen, Börsen, Apps, Sozialen Medien oder Newslettern hergestellt, erhalten und über Netzwerke transportiert und verbreitet. Die Zeitschrift Stadt und Grün sei eine Zeitschrift für das öffentliche Grün und widme sich der öffentlichen Grünpflege, der Freiraumplanung, der Stadtentwicklung, dem Umweltschutz und der Ausbildung. Spezielle Zielgruppe seien vor allem die Grünflächenämter. So werde nicht nur die inhaltliche, sondern auch die organisatorische Vernetzung der Grünflächenämter bundesweit unterstützt. Über die relevanten Themen der Grün­flächenämter wie Stadtbäume, Kleingartenwesen, Spielen in der Stadt und vielem mehr erfolge darüber hinaus eine Vernetzung mit der Zivilgesellschaft.

Wissensportale

Ein Beispiel für einen Wissensspeicher im Bereich Gartenbau, der unterschiedliche Medien zusammenbindet, stellte Frau Gabriele Winter vom Zentralverband Gartenbau vor: das „hortigate“ (Zentralverband Gartenbau e. V., 2021).

„hortigate“ sei ein gartenbauliches Informationssystem, das die gesamte Branche mit Wissen vernetzt – von Auszubildenden, über produzierende Betriebe bis hin zu Forschungseinrichtungen. In den späten 90er Jahren vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz etabliert, sei hortigate 2002 über sechs Jahre durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu einem bundesweiten und spartenübergreifenden Projekt ausgeweitet worden. Die Betreuung erfolge seit 2002 über den Zentralverband Gartenbau e. V. „hortigate“ lebe vom Wissensaustausch der Branche und sei ein digitales Gedächtnis. Ausgewählte Experten stellten den unterschiedlichen Nutzergruppen wissenschaftliche Informationen und Berichte zur Verfügung. Dabei seien nur die Artikel, die für die Erwerbstätigkeit hilfreich sind, kostenpflichtig. Für die Nutzung von „hortigate“ gäbe es drei Ebenen: die kostenfreie Nutzung, die Nutzung mittels eines Abonnements sowie eigens für geschlossene Benutzergruppen geschaffene Inhalte. Stadtgrünwissen sei bereits heute in „hortigate“ recherchierbar. Jedoch steckten Informationen zu Stadtgrünwissen, oft noch in unterschiedlichen Rubriken. Auch richteten sich die vorhandenen Beiträge aktuell nur an Profis. Zukünftige Beiträge könnten jedoch in einem neu geschaffenen „Stadtgrün“-Portal veröffentlicht werden und innerhalb des Portals eigene Bereiche für beispielsweise Organisatoren und Bauherren, Verwaltung und Behör­den sowie (private) Nutzer eingerichtet werde. Die Qualität in „hortigate“ werde durch den Fachbeirat „Netzwerk Wissenstransfer im Gartenbau“ gesichert. Dieser setze sich aus Mitgliedern der landwirtschaftlichen Ministerien, Landwirtschaftskammern, Hochschulen, Forschungsinstitutionen und Versuchsanstalten zusammen. In diesem vom Zentralverband Gartenbau e. V. koordinierten Gremium würden die grundsätzliche Ausrichtung und die Weiterentwicklung der Wissensplattform festgelegt.

Diskussion

Eine der Fragen, die im Mittelpunkt der Diskussion stand, richtete sich auf die Qualität des Stadtgrünwissens und seine Verfügbarkeit. Das Publikum war sich mit den Experten einig, dass in den letzten Jahren alle Bereiche des Stadtgrünwissens einen erheblichen Zuwachs bekommen hätten. Es sei zukünftig eher vordringlich eine Frage der Bündelung und Organisation des Informationsflusses als die Schaffung von Wissen, was einer weiteren Steigerung der Akzeptanz von Stadtgrün Vorschub leisten könnte. Es stehe vor allem die Vernetzung und Kooperation der Akteure untereinander im Fokus. Viele der im Rahmen des Symposiums vorgestellten Vernetzungsmöglichkeiten wie die Zeitschrift „Stadt & Grün“ und auch die Plattform „hortigate“ würden vor allem im professionellen Sektor genutzt und beachtet.

Viele Initiativen, ohne gartenbauliche Ausbildung oder gartenbaulichen Hintergrund hätten jedoch eigene Formen der Wissensbeschaffung. Daraus ergebe sich, dass beispielsweise im Falle von Gemeinschaftsgärten jede neue Initiative alle Themen selbst erarbeiten müsse, was eher zu langsamen Informationsflüssen führen würde und auch die Bildung von Netzwerken beeinträchtige. Unter Umständen sei ein arbeitsteiliges Vorgehen und Kooperationen, bei denen man sich untereinander brauche, hier wegweisend.

Letztlich wurde aus dem professionellen und privaten Bereich berichtet, dass sich zum Teil Spezialistengruppen gebildet hätten, die sich nur für ihren Bereich interessierten und an einer Vernetzung wenig Interesse hätten. Hier sei es an den Organisatoren von Projekten im öffentlichen oder privaten Grün, unermüdlich für ein interdisziplinäres Vorgehen zu sorgen. Es wurde die Bedeutung besonders motivierter und ggf. besonders geschulter Projektkoordinatoren für die nachhaltige Entwicklung neuer Projekte unterstrichen. Bei Citizen science-Projekten wurde die Wichtigkeit der Rollenverteilung (Wissenschaftlervorgaben vs. Bürgerbeteiligung) angemerkt und die zu eng bemessenen Projektzeiten bemängelt, wodurch die Ergebnisse zu selten wissenschaftlich publiziert werden könnten. Konkreter Forschungsbedarf wird bei der Messung sozialer Aspekte und dem Nachweis der sozialen Wirkungen von Stadtgrün gese­hen. Weiterer Bedarf bestehe in der Bestandsaufnahme von Stadtgrünwissen.

Neue Plattformen für die Sammlung von Stadtgrünwissen wurden mit Verweis auf existierende in Frage gestellt. Allerdings sei die Kenntnis des derzeitigen Bestandes unzureichend und seine Nachhaltigkeit nicht bekannt. Insofern wäre im Sinne einer Bestandsaufnahme die Erstellung eines zentralen Portals für Initiativen, Medien oder Wissenspeicher im Bereich Stadtgrünwissen wohl förderlich. Folgende Websites wurden neben den bereits oben genannten von Diskussionsteilnehmern zur Kenntnisnahme empfohlen:

Netzwerk für Gemeinschaftsgärten (Anstiftung, 2021)

Beispielhafte Beteiligungsplattform (Artmann et al., 2021)

Blick zu den Niederlanden (Operatie Steenbreek, 2021)

Fazit der Tagung

Die grüne Infrastruktur – das Stadtgrün – besteht aus dem öffent­lichen Grün und den privaten Gärten. Die Hauptaufmerksamkeit der Grünflächenämter gilt dem öffentlichen Grün. Private Gärten sind naturgemäß auch privat initiiert, gestaltet und gepflegt. Mehr und mehr private Gärten, die für die Öffentlichkeit geöffnet werden, Gemeinschaftsgärten „von unten“ lassen die scharfen Grenzen verschwimmen und erfordern gegensei­tige Vernetzungen und abgestimmte Kommunikation zwischen allen Akteuren.

Alle Projekte in der grünen Infrastruktur zielen auf frühzei­tige Partizipation von urbanen Bürgern ab, damit durch gemeinsame Gestaltung und Pflege eine hohe Akzeptanz für die Projekte von Anfang an zustande kommt.

Die Partizipation unterschiedlichster Akteure in der grünen Infrastruktur kann durch eine gezielte Teilhabeplanung, die dem üblichen Planungs- und Implementierungsprozess vorangeschaltet wird, wesentlich erleichtert und erfolgreich initiiert werden. Gefolgt werden sollte der Umsetzungsprozess von einem Nutzermanagementkonzept, das die Nachhaltigkeit der Nutzung von Projekten über die Stabilität der Beteiligungsprozess bedeuten kann.

Das derzeit bereits verfügbare Stadtgrünwissen ist umfangreich und auf verschiedene Ebenen verteilt, die sich durch bestimmte Akteursgruppen charakterisieren lassen. Innerhalb der Akteursgruppen gibt es wesentlich engere Beziehungen als zwischen den Ebenen. Die vertikale Durchlässigkeit von Ebene zu Ebene ist weniger stark entwickelt. Hier ist ein Konzept gefragt, wie dies zu bewerkstelligen ist. Eine vertikale Vernetzung ist zwangsläufig nötig, da die Multifunktionalität die Zusammen­arbeit von Akteursgruppen an einem Projekt erfordern.

Vernetzungen zwischen Akteuren und Akteursgruppen können durch Informationswege beschrieben werden. Vor dem Hintergrund der Tagung werden Kommunikationsnetzwerke vor allem als zweidimensional auf der jeweiligen Ebene gekenn­zeichnet. So genannte Beteiligungsplattformen könnten hier ein interessantes Instrument werden, um öffentliche Bereiche mit privaten zu verknüpfen, aber auch Interdisziplinarität herzustellen. Vor Ort im einzelnen Projekt kann diese Funktion ein agiles Projektmanagement in Gestalt besonders ausgebildeter „Gardeniser“ sein. Medien versuchen ebenfalls bereits, dreidimensionale Informationsflüsse zu erzeugen. Hier gilt es zu analysieren, in welchem Maß dies für das Stadtgrünwissen schon ausgeprägt ist.

Insgesamt zeigte die Tagung, dass das Stadtgrünwissen als einzigartiger kultureller Gegenstand genutzt werden kann, um die Stadtgesellschaft miteinander zu verknüpfen und näher zusammen­rücken zu lassen.

Literatur

Anstiftung, 2021: Netzwerk Urbane Gärten. URL: https://urbane-gaerten.de/, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

Artmann, F., Y. Johannsen, J. Runte, S. Noltemeyer, 2021: Die Urbanisten. URL: https://dieurbanisten.de/, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

DGGL e. V., 2021: Netzwerk Garten & Mensch. URL: https://www.gartenundmensch.org/start.html, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

Feldmann, F., 2021: Ludwigsgarten Braunschweig. URL: https://www.facebook.com/LudwigsgartenBraunschweig, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

Gardeniser.eu, 2021: Gemeinschaftsgarten-Organisator* In. URL: https://www.gardeniser.eu/de, updated: 1/18/2021, accessed: 1/21/2021.

Operatie Steenbreek, 2021: Stichting Steenbreek. URL: https://steenbreek.nl/, updated: 1/21/2021, accessed 1/21/2021.

Patzer Verlag GmbH & KG, Co., 2021: Stadt + Grün – Das Gartenamt. URL: https://stadtundgruen.de/, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

Stiftung DIE GRÜNE STADT, 2020: DIE GRÜNE STADT. URL: https://www.die-gruene-stadt.de/, updated: 4/29/2020, accessed 1/21/2021.

Wissenschaft im Dialog gGmbH, 2021: Buerger schaffen Wissen - Die Plattform für Citizen Science. URL: https://www.buergerschaffenwissen.de/, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.

Zentralverband Gartenbau e. V., 2021: Hortigate - Das Informations-Netzwerk Gartenbau. URL: https://www.hortigate.de/, updated: 1/21/2021, accessed: 1/21/2021.


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