Ansätze zur Verbesserung der Bekämpfung des Rapserdflohs (Psylliodes chrysocephala L.) in Winterraps (Brassica napus L.) durch gezielte Untersuchungen zur Biologie und Schadpotenzial unter besonderer Berücksichtigung von Befallszeitpunkt und -stärke

  • Nils Conrad Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, Braunschweig
Schlagworte: Psylliodes chrysocephala, Schadschwelle, Winterraps, Befallszeitpunkt, Befallsdichte, Bekämpfung, Eiablage, Schadpotenzial

Abstract

Seit dem Verbot der neonikotinoiden Saatgutbehandlung im Winterraps in der Europäischen Union im Jahr 2013 hat Raps zum Auflaufen im Herbst keinen insektiziden Beizschutz. Einer der Hauptherbstschädlinge, der durch das Verbot begünstigt wird, ist der Rapserdfloh
(Psylliodes chrysocephala L). Die Imagines migrieren ab September in die frisch auflaufenden Winterrapsbestände und können unter ungünstigen Wachstumsbedingungen durch Reifungsfraß an jungen Blättern Kümmerwuchs und Pflanzenverluste verursachen. Die Larven des Rapserdflohs schlüpfen von Ende Oktober bis in das Frühjahr und sind in der Regel das schädlichste Stadium. Sie minieren in den Blättern und schwächen die Pflanze während des Winters, welches zu Auswinterung und Ertragseinbußen führen kann. Ziel dieser Arbeit war es, Biologie und Schadpotenzial dieses Schädlings mit besonderem Fokus auf dem Einfluss von Einwanderungszeitpunkt und Käferdichte im Herbst zu untersuchen und daraus Verbesserungen zur Prognose des Auftretens und möglicher Schäden abzuleiten.

Um verschiedene Befallszeiträume und -dichten nachzustellen, wurden in den Jahren 2015/16 bis 2017/18 Halbfreiland Netzkäfigversuche etabliert, welche mit unterschiedlichen Käferdichten zu verschiedenen Zeitpunkten besiedelt wurden. Im Laufe der Vegetationsperiode wurden Entwicklung und Schadpotenzial des Rapserdflohs überwacht. Ergänzend wurden gezielte Versuche zur Eiablage und zum Einfluss des Verpuppungszeitpunktes auf Höhe und Zeitpunkt des Jungkäferschlupfes gemacht. Die in den Versuchen gesammelten Erkenntnisse wurden in Freiland-bekämpfungsversuchen bestätigt. Weiterhin wurde eine Methode zur indirekten Ermittlung des Larvenbefalls anhand der durch Larven verursachten Vernarbungen entwickelt und geprüft.

Die Ergebnisse zeigen, dass früh einwandernde Käfer ein deutlich höheres Schadpotenzial durch höhere Eiablage und einen damit verbundenen signifikant höheren Larvenbefall vor dem Winter haben, als spät einwandernde. Als Käferbekämpfungsrichtwert wurde abgeleitet, dass bei Zuflug bis 20.09. ab einer Käferdichte von 13 Käfern/m2 und bei Zuflug ab dem 20.09. ab 20 Käfern/m2 mehr als 4 Larven/Pflanze vor dem Winter erreicht wurden. Anfang September freigesetzte Tiere legten während ihrer Lebensspanne im Mittel der Jahre 2016/17 und 2017/18 108 Eier, wohingegen die Anfang Oktober freigesetzten Käfer 69 Eier legten. Die Haupteiablage fand im Oktober statt. Bei Freisetzung Anfang September wurden im Mittel der Jahre bei einer Larvenbonitur im Dezember mit 22 Larven/Weibchen etwa doppelt so viele Larven nachgewiesen wie bei Freisetzung Anfang Oktober. Ein milder Winter führte zu kontinuierlicher Eiablage und Larvenschlupf. Durch kalte Witterung wurden Eiablage und Larvenschlupf unterbrochen. Zwischen Larvenabundanz und Lufttemperatursumme von der Käferfreilassung bis zur Larvenbonitur wurde ein signifikant linearer Zusammenhang berechnet (R2= 67 %).

Die Larven hielten sich unabhängig vom Larvenstadium bevorzugt im unteren Ende des Blattstiels auf. Zwischen der Besiedelung der Endknospe und der Larvendichte/Pflanze zeigte sich eine positive lineare Beziehung. Hoher Larvenbesatz zeigte einen signifikanten Einfluss auf Auswinterungsverluste, Bedeckungsgrad, NDVI und Anteil/Pflanzen mit Besenwuchssymptomen im Frühjahr, wobei früher Befall in Kombination mit kaltem Winter einen deutlich stärkeren Einfluss hatte als später. Dieses gilt auch für die durch Larvenbefall verursachten Ertragsverluste. Im Besiedelungsversuch konnten bei frühem, starkem Befall signifikante Ertragsverluste von bis zu 25 % in einem der drei Jahre gezeigt werden. Frühe Abwanderung der verpuppungsreifen Larven und folgende Bodenfrostereignisse führten zu einer starken Minderung des Jungkäferschlupfes. Der Hauptschlupf der Jungkäfer fand in allen Jahren zwischen der 24. und 26. Kalenderwoche statt. Im Mittel der Jahre wurden 16 Nachkommen/Weibchen gezählt.

In den dreijährigen Bekämpfungsversuchen in der Braunschweiger Region wurde der Einfluss von sechs verschiedenen insektiziden Blattapplikationen und Saatgutbehandlungen auf den Rapserdfloh untersucht: Karate Zeon (a.i. lambda-Cyhalothrin), Elado (Clothianidin + beta-Cyfluthrin), Fortenza Force (Cyantraniliprole + Tefluthrin) (nur 2015), Lumiposa (Cyantraniliprole) (nur 2016 und 2017), Integral Pro (Bacillus amyloliquefaciens) (nur 2016) und Force (Tefluthrin) (nur 2017). Von den Saatgutbehandlungen zeigte nur Elado bei früher Käferzuwanderung eine signifikante Reduktion des Larvenbefalls. Clothianidin- und Cyantraniliprolehaltige Produkte führten zu einem höheren Auflauf unabhängig von den erfassten Insektenschäden. Durch eine gezielte Karate Zeon-Applikation (Anfang bis Mitte Oktober) zum Zeitpunkt der Haupteiablage, nach dem Erreichen des Käferbekämpfungsschwellenwertes von 50 Käfern in drei Wochen in Gelbschalen, wurden Larvenbefall und Jungkäferschlupf in allen Jahren signifikant reduziert (80–90 %). Nur die Elado-Variante zeigte im Jahr 2016/17 einen signifikanten Mehrertrag gegenüber der Kontrolle in Höhe von ca. 2 dt. Bei den anderen Varianten wurde kein signifikanter Mehrertrag gemessen.

Der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Vernarbungen/Pflanze und der Anzahl der Larven/Pflanze zeigte, dass bei einer Larvenbonitur im November/Dezember bei durchschnittlich ≤5 Vernarbungen/Pflanze in 98 % der Fälle der Bekämpfungsrichtwert von 4 Larven nicht überschritten war. Ab >4 Narben/Pflanze müssen die Pflanzen auf Larvenbesatz untersucht werden.

Insgesamt wurde durch die Arbeit das Wissen zu Biologie und zum Schadpotenzial des Rapserdflohs erweitert und eine Verbesserung bzw. Absicherung der Vorgehensweise bei der Bekämpfung des Rapserdflohs erreicht. Einige Bereiche bedürfen jedoch weiterer Forschung. So sollten das Vernarbungs-Larven-Prognose-Modell und die in den Netzkäfigversuchen gewonnenen Erkenntnisse im Freiland in verschiedenen Umwelten für die Praxis weiterentwickelt werden.

Veröffentlicht
2019-02-28
Ausgabe
Rubrik
Dissertation