Influence of the pruning system on the fungal community of grapevine (Vitis vinifera)

  • Christian Kraus Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Siebeldingen
Schlagworte: Englisch

Abstract

„Minimalschnitt im Spalier“ (MMS) ist ein neues Reben-Erziehungssystem, das den Winzern die Möglichkeit eröffnet, Einsparungen bei den Produktionskoste vorzunehmen. Bei diesem Erziehungssystem wird der zeit- und arbeitsaufwändige Winterschnitt, der normalerweise per Hand erfolgt, maschinell, mit Hilfe eines Laubschneiders, durchgeführt. Aufgrund dieses ökonomischen Vorteils erlebte der MMS eine erhöhte Popularität unter den Winzern in den letzten Jahren, Tendenz steigend. Jedoch fehlen wichtige Informationen zu einige Kultivierungsaspekten, da es kaum detaillierte Feldstudien zu diesem Erziehungssystem gibt. Einer dieser Aspekte betrifft das Vorkommen von pilzlichen Krankheiten und den entsprechenden Schutz der Reben. Aus diesem Grund war es Ziel dieser Arbeit, basierend auf Langzeitversuchen (2015–2018), den Einfluss des Schnittsystems auf die Pilzgemeinschaft der Rebe zu untersuchen, mit besonderem Hinblick auf phytopathogene Pilze.

Ein Teil dieser Arbeit verglich die Laubwandarchitektur und das Mikroklima von MMS-Reben mit Reben in der klassischen Bogenerziehung (BE). Zudem wurde das Auftreten der wichtigsten Pilzkrankheiten, nämlich Falscher Mehltau (FM), Echter Mehltau (EM) und Graufäule (GF), vier Jahre hintereinander in den beiden Erziehungssystemen untersucht. In diesem Zeitraum wurde festgestellt, dass MMS-Reben im Vergleich zu BE-Reben anfälliger sind gegenüber FM und EM. Es wird vermutet, dass das vergleichsweise langsamere Abtrocknen der MSS-Laubwand ein Mikroklima erzeugt, welches das Wachstum und die Verbreitung der Krankheiten begünstigt. GF betreffend waren MMS-Trauben weniger befallen als BE-Trauben, was vermutlich mit der lockeren Traubenarchitektur in MMS-Reben zusammenhängt.

Eine Analyse der zeitlichen Entwicklung der Pilzgemeinschaft in äußerlich gesunden Rebtriebe, von zwei Monate bis acht Jahre, ergab, dass schnell wachsende Pilze wie Alternaria spp., Aureobasidium pullulans, Botrytis cinerea, Cladosporium spp., Diaporthe spp., Epicoccum nigrum, Penicillium spp. und Truncatella angustata charakteristisch sind für junge Triebe (zwei Monate bis ein Jahr). In älteren Trieben (> ein Jahr) allerdings ist die Pilzgemeinschaft mehr durch grapevine trunk disease (GTD)-assoziierte Pilze geprägt, mit Cadophora luteo-olivacea, Diplodia seriata und Eutypa lata als vorherrschende Arten. Diese Daten zeigen, dass Reben mit älteren Trieben, wie bei MSS-Reben zu finden, stärker durch GTDs gefährdet sind als BE-Reben mit ausschließlich einjährigen Trieben.

In vier aufeinanderfolgenden Jahren wurde das Vorkommen von externen Esca-Blattsymptomen in zwölf Weinbergen, unterteilt in MMS und BE, untersucht, um herauszufinden, ob und inwieweit, dass Schnittsystem das Auftreten der Blattsymptome beeinflusst. Signifikante Unterschiede zwischen den zwei Erziehungssystemen hinsichtlich der Häufigkeit von Esca-Blattsymptomen wurden in drei von vier Jahren gefunden, jedoch sind die Ergebnisse widersprüchlich. Während in 2016 MMS-Reben häufiger Blattsymptome zeigten als BE-Reben, war es in den Jahren 2017 und 2018 das Gegenteil der Fall.

Sporenfallen wurden in einem Weinberg an Trieben von MMS- und BE-Reben befestigt, um das Vorkommen des mit Esca assoziierten Pilzes Phaeomoniella chlamydospora im Jahresverlauf zu erfassen. Neben P. chlamydospora wurden dabei auch andere Arten der Phaeomoniellales isoliert; eine bereits bekannte Art, Neophaeomoniella zymoides, und sechs unbekannte Arten, die neu beschrieben wurden. Die Anzahl an Pilzstämmen und Arten von Phaeomoniellales war tendenziell höher für Sporenfallen, die an Ästen von MMS-Reben befestigt waren. Ein Pathogenitätstest mit Topfpflanzen im Gewächshaus ergab, dass von den acht isolierten Arten der Phaeomoniellales nur P. chlamydospora signifikante Läsionen im Holz verursachen kann.

Die Daten, welche in dieser Arbeit generiert wurden, sollen helfen, ein an MMS-Reben angepasstes Pflanzenschutzregime zu entwickeln.

Veröffentlicht
2019-05-13
Ausgabe
Rubrik
Dissertation