Förderung von Vögeln der Agrarlandschaft durch die Neuanlage von Brut- und Nahrungshabitaten

Stefan Kühne, Markus Mohn, Henry Hahnke

Abstract


Die zunehmende Verschlechterung von Brut- und Nahrungshabitaten für Vögel der Agrarlandschaft zählt heute zu den wichtigsten Ursachen für deren steten Rückgang. Mit der Bildung großflächiger Bewirtschaftungseinheiten mit einseitigen Fruchtfolgen verschlechtern sich die Nahrungsbedingungen für die Vögel auf dem Feld. Nach der politischen Wende bestand schon Anfang der 1990er Jahre Bedarf an der Neustrukturierung ausgeräumter Agrarflächen, besonders in Ostdeutschland. 1993 wurde auf einer Ackerfläche am südlichen Stadtrand von Berlin die sogenannte “Brandenburger Schichtholzhecke” als Modellprojekt angelegt, um einen ökologischen und ökonomischen Weg zur Neuanlage von Hecken und Feldrainen aufzuzeigen. Diese naturnahen Kleinstrukturen bieten in ihrer Kombination sowohl Brut- als auch ganzjährig Nahrungshabitate und zeigen insbesondere unter den heutigen Bedingungen Möglichkeiten auf, um die Lebensbedingungen der Agrarvögel zu verbessern. Dabei ist das Konzept der „Benjeshecke“ modifiziert worden, indem zwischen zwei parallel zueinander verlaufenden Gestrüppwällen aus Totholz heimische Bäume und Sträucher einreihig gepflanzt wurden. Im Frühjahr 1994 ist ein mindestens 5 m breiter Wildkräuterstreifen zwischen buhnenförmigen Querwällen aus Totholz entlang der 575 m langen Hecke etabliert worden und beendete damit die Gestaltungsphase. Regelmäßige Vogelbestandserfassungen von 1995 bis 1998 und im Jahr 2004 zeigten die kontinuierliche Nutzung der Hecke als Lebensraum durch Agrarvögel. Schon 1994 konnten die ersten Neuntöter an den Totholzwällen beobachtet werden. 1995 diente der Saum als Brutrevier für Goldammer, Neuntöter, Steinschmätzer und Schafstelze. 1998 waren insbesondere die Gehölzstrukturen schon so weit entwickelt, dass die Dorngrasmücke erstmalig in der Hecke nistete. Im Jahr 2004, zehn Jahre nach Anlage der Hecke, brüteten 7 Vogelarten mit 13 Brutpaaren im Saum (Goldammer, Neuntöter, Steinschmätzer, Schafstelze, Dorngrasmücke, Stieglitz, Rotkehlchen). Die Goldammer mit fünf Brutpaaren war der häufigste Brutvogel. Insgesamt erreichte die Zahl der Brutreviere einen Wert von 2,3 je 100 lfd. Meter Hecke. Untersuchungen zum Auftreten von Schwebfliegen im Saum und dem angrenzenden Feld haben gezeigt, dass deren Aktivität auf den Krautstreifen 1995 fünf mal und 2004 sieben mal höher war als im 5 m Bereich der angrenzenden Ackerkultur. Da Schwebfliegen den Hauptbestandteil der Nestlingsnahrung z. B. für die Goldammer darstellen, belegen diese Zahlen die Bedeutung des Saumes als Nahrungshabitat.

Stichwörter: Vögel, Hecken, Feldraine, Nahrung

Promotion of farmland birds by recreation of nesting and feeding habitats

Abstract

The increasing degradation of nesting and feeding habitats for farmland birds, is one of the main causes of their steady decline. With the increasing formation of large-scale fields with uniform crops, the food conditions deteriorate for the birds on the field. After the political turn in the beginning of the 90ies, there was also a need for the restructuring of cleared agricultural landscape in East Germany. In 1993, the so-called ‚Brandenburg stackedwood hedge‘ was created on a fi eld south to Berlin as a model to show an ecological and economic way for the replanting of hedges and fi eld margins. These small structures providing in their combination of both breeding and foraging habitat throughout the year. Under the current condition they are showing a way to improve the living conditions for birds on farmland. The ‚Brandenburg stacked-wood hedge‘ consists of two brush barriers of dead wood arranged in parallel. Between them, there is one row of native-species trees and shrubs planted. The 575 m long stacked hedge is adjoined by a five-metre-wide herbaceous strip established by sowing a suitable mixture of seed in 1994. Regular recording of birds from 1995 to 1998 and in 2004 shows the continuous use of the hedge as a habitat for birds. Already in 1994, the first red-backed shrikes were observed in the dead wood. In 1995, the dead wood provided a breeding ground for yellow-hammer, red-backed shrike, northern wheatear und yellow wagtail. In 1998, the shrubs had grown to a suitable size to shelter for the fi rst time white throat. In 2004, ten years after establishment of the hedgerow, 13 bird pairs of 7 species nested in the hedgerow - yellowhammer, red-backed shrike, northern wheatear, yellow wagtail, whitethroat, eurasian goldfi nch, european robin. The yellow-hammer occurred most frequently with fi ve pairs. Density of breeding birds totalled 2.3 pairs per 100 m hedgerow. Investigations on the occurrence of hoverflies in the edge biotop and the adjacent field have shown, that there activity on the wild herb strips were five times higher in 1995 and seven times higher in 2004 than in the 5 m region of the adjacent arable crop. Since hoverflies representing the main part of the nestling food (yellowhammer), these figures demonstrate the importance of the edge biotop as foraging habitat.

Keywords: birds, hedges, field margins, food source


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DOI: http://dx.doi.org/10.5073/jka.2013.442.006

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