Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen - Blühstreifenmanagement für das Rebhuhn

Eckhard Gottschalk, Werner Beeke

Abstract


Auch im Landkreis Göttingen ist das Rebhuhn in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen hat das Ziel, den Rebhuhnbestand langfristig anzuheben, um damit das Risiko des lokalen Aussterbens zu reduzieren. Ca. 300-400 Rebhuhnpaare leben im Landkreis. Seit 2005 werden rebhuhngerecht bewirtschaftete Blühstreifen angebaut, 2007 waren ca. 1.000 solcher Flächen etabliert, insgesamt 540 Hektar. Alljährliche Zählungen des Rebhuhnbestandes auf 90 km² haben in den Jahren nach 2007 einen deutlichen Anstieg der Rebhuhnzahlen nachweisen können. 2007 war der Großteil der Blühstreifen eingerichtet worden. Auch die Populationseinbrüche nach den schneereichen Wintern 2009/10 und 2010/11 konnten schnell aufgeholt werden. Ab 2012 lief ein Teil der Blühstreifenverträge aus und die Rebhuhnpopulation konnte nicht wieder den vorübergehenden Höchststand von 2009 erreichen. Lokal, bei einem Blühstreifenanteil von ca. 7 % der Ackerfläche, hat sich der Rebhuhnbestand innerhalb von drei Jahren verzehnfacht. In einer Telemetriestudie zur Habitatnutzung, Mortalität und zum Bruterfolg wurden 139 Rebhühner besendert und ihre Lebensläufe verfolgt. Die Blühstreifen werden überproportional genutzt und sind mit einem Viertel aller Brutplätze ein bedeutender Bestandteil des Lebensraumes geworden. Die Überlebensrate von Nestern in den breiten Blühstreifen und –flächen ist doppelt so hoch wie die in Hecken und Feldrainen. Fast alle Verluste von Rebhühnern sind der Prädation zuzuschreiben. Besonders schwer wiegt die Prädation der Hennen auf dem Nest, die gleichzeitig die wichtigste Ursache für Nestverluste ist. Die winterlichen Verluste sind nur bei Schneelage hoch. Wichtigster Prädator ist der Fuchs. Trotz der hohen Prädationsraten wird im Projekt kein Einfluss auf die Bejagung genommen, der Focus liegt ausschließlich auf den Lebensraumaufwertungen. Schwellenwerte des Anteils von Blühstreifen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche werden diskutiert. Eine stabile Verdopplung des Rebhuhnbestandes würde ca. die dreifache Menge an Blühstreifen im Landkreis erfordern, sofern diese gezielt platziert werden.

Stichwörter: Rebhuhn, Perdix perdix, Agrarumweltmaßnahme, Blühstreifen, Prädation

The partridge conservation project at the district of Göttingen - management of fl ower strips

Abstract

The partridge declined at the district of Göttingen seriously. The partridge conservation project of the Göttingen district tries to minimize the local extinction risk, by raising the population size. 300 – 400 pairs of partridges still exist. Flower strips adapted to the needs of partridges are introduced since 2005; in 2007 about 1.000 flower strips have been established (540 hectare). Our partridge count scheme detects an increase in numbers in the two following years. After two winters with long periods of high snow cover the population decreased, but recovered quickly in 2011. In 2012 many flower strip contracts ended and the population did not reach the level of 2009 again. Locally the flower strips covered about 7 % of the agricultural area. There the partridge numbers increased tenfold within 3 years. We studied habitat use, mortality and breeding success of partridges by radiotracking 139 partridges during 2009-2013. They used flower strips much more than expected. One quarter of nests was located in flower strips. Survival rate of nests in the broad flower strips and fl ower fields was 50 %, in hedgerows and other linear structures only 25 % due to a different predation rate of breeding hens. Winter losses were only high during periods of snow cover. Losses are mainly attributed to foxes. We do not take any infl uence on predation control. We discuss thresholds for the amount of area covered by flower strips which is needed to raise the partridge population. To double population size 1500 hectares are necessary, if placed selectively.

Keywords: Grey partridge, Perdix perdix, agri-environment scheme, flower strip, predation


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DOI: http://dx.doi.org/10.5073/jka.2013.442.009

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