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Journal für Kulturpflanzen, 74 (07-08). S. 192–193, 2022 | DOI: 10.5073/JfK.2022.07-08.05 | Ebenau

Nachrichten
Tobias Ebenau

Neues aus der Deutschen Genbank Obst (DGO)

Die BUND – Ortsgruppe stellt sich vor

Affiliation
BUND Ortsgruppe Guldental.
Kontaktanschrift
Tobias Ebenau, BUND Ortsgruppe Guldental, Gotenstraße 8, 55545 Bad Kreuznach, Telefon: 0671/72883, E-Mail: Tobias.Ebenau802@gmx.de

Einleitung

Seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren setzt sich die BUND-Ortsgruppe Guldental (https://bund-guldental.de) für die Natur in und um das schöne Weindorf an der Nahe (Rheinland-Pfalz) ein. Die Anlage und Bewirtschaftung von Streuobstwiesen begann 1989 und wurde bald zum zentralen Arbeitsgebiet der Ortsgruppe und bildet seit 2021 das Guldentaler Streuobstland. Dieses bietet Heimat für über 600 Obstbäume auf mehr als acht Hektar Fläche in über 500 verschiedenen Sorten und bietet eine Vernetzung von Streuobstwiesenflächen zu Nachbargemeinden.

Das Motto der Ortsgruppe lautet: „Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand. Das Außergewöhnliche ihren Wert.“ (Oscar Wilde, 1854-1900)

Unter der Leitung von Hans Faus und Tobias Ebenau besteht die Ortsgruppe aus ca. 20 aktiven Mitgliedern die in unterschiedlicher Besetzung bei den Arbeiten den Streuobstwiesen regelmäßig mithelfen. Die Pflanzungen konzentrierten sich in der Vergangenheit vor allem auf Kirsch-, Apfel-, Pflaumen- und Birnensorten, aktuell liegt der Schwerpunkt auf rotkernigen Walnüssen und Mandeln. Eine Mandel-Referenzpflanzung ist im Entstehen.

Seit September 2021 ist die Guldentaler Sortensammlung Partner der Deutschen Genbank Obst in den Netzwerken Kirsche und Pflaume. Ausschlag, sich hierfür zu bewerben, war der Wunsch der Gruppe die Sortenerhaltung noch stärker zu fokussieren und noch enger mit Spezialisten auf diesem Gebiet zusammenarbeiten zu können. Die Deutsche Genbank Obst ist für die BUND Ortsgruppe die perfekte Ergänzung zum Erhalternetzwerk des Pomologenvereins, dem die Gruppe seit Jahren angehört. Neben der Professionalisierung ist die Abgabe von pomologisch überprüften Reisern ein wichtiges Anliegen der Ortsgruppe, da die Ortsgruppe hierin eine gute Möglichkeit sieht, den Schatz an Sortenvielfalt zu teilen, weiterzugeben und dadurch dauerhaft zu erhalten und zu sichern.

Die Streuobstwiesen der Ortsgruppe umfassen 214 Apfelsorten, 71 Pflaumen und Mirabellen, 158 Kirschen, 44 Walnüsse, 85 Birnen sowie 20 Mandelsorten. Im Jahr 2022 wird das LEADER-Projekt mit folgenden Ergebnissen abgeschlossen:

Nachfolgend sollen einige Spezialitäten im Guldentaler Streuobstland vorgestellt werden.

Der Guldentaler Knorzekopp

Hans Faus, der Gründer der Ortsgruppe BUND Guldental, fiel im Oktober 1990 während eines Spaziergangs am Rande des Ortsteils Waldhilbersheim ein Apfelbaum auf, der auffallend leuchtend gelbe Früchte trug. Nach ausgiebigen Recherchen wurde dieser Apfel bisher jedoch nirgends beschrieben, so dass sich Hans Faus der Sortenbeschreibung annahm und den Apfel über Edelreiser und einer lokalen Baumschule verbreiten ließ. Seinen rustikalen Namen erhielt diese Lokalsorte nach den knorzigen Warzen die sich häufig auf der Schale des Apfels bilden (Abb. 1). Aber auch die Anspielung auf die „Wingertsknorze“ als eigenwillig krumm gewachsene Rebstöcke und die „Knorzeköpp“ im Dorf spielten bei der Namensgebung eine Rolle; so nämlich wurden die eigenwilligen Waldhilbersheimer von den Heddersheimern vor der Zusammenlegung der beiden Ortsteile zu Guldental etwas verächtlich bezeichnet.

Abb. 1. Die Sorte Guldentaler Knorzekopp.

Abb. 1. Die Sorte Guldentaler Knorzekopp.

Die rotfrüchtigen Walnüsse auf den Spitteln

Per Zufall entdeckte vor einigen Jahren Tobias Ebenau im Internet das Bild einer rotfrüchtigen Walnuss; der wohl bekanntesten aller roten Nusssorten, der `Roten Donaunuss aus Ybbs‘. Anfangs noch für einen Scherz gehalten, zeigte sich nach kurzer Recherche schnell, dass es nicht nur viele hundert verschiedene Walnusssorten gibt, sondern auch weit über 30 verschiedene rote Walnusssorten, so dass sich die Gruppe entschloss, die roten Walnüsse möglichst komplett auf sogenannte Spittel, bevorzugt in Kombination mit Mandeln, zu pflanzen.

Ein Spittel ist ein Restdreieck am Ende/Anfang eines Weinberges, das aufgrund der zunehmendem Mechanisierung der Landwirtschaft und der immer größer werdenden Gerätschaften nicht mehr (ökonomisch) gut bewirtschaftet werden kann. Da Guldental umgeben ist von vielen Weinbergen, war diese Nutzungsaufgabe für die Ortsgruppe die Gelegenheit an Flächen zu kommen, auf denen nun alle verfügbaren, rotfrüchtigen Walnusssorten wachsen.

Die `Big Red Osogo‘ aus Österreich soll im nächsten Jahr die Sortenliste (Abb. 2) vervollständigen; die `Red Man‘ kam erst kürzlich als Neuzüchtung aus einer holländischen Baumschule in Guldental an.

Abb. 2. Liste rotfrüchtiger Walnusssorten.

Abb. 2. Liste rotfrüchtiger Walnusssorten.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit führt die BUND Ortsgruppe regelmäßig Kurse zum Baumschnitt, zur Veredlung sowie Dengel- und Sensenkurse durch. Des Weiteren werden Kirschenführungen, Sortenausstellungen und Erntetage angeboten.

Erklärung zu Interessenskonflikten

Die Autoren erklären, dass keine Interessenskonflikte vorliegen.

 

ISSN (elektronisch): 1867-0938
ISSN (print): 1867-0911
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