Beurteilung der Wirksamkeit von bienenfördernden Maßnahmen (Hymenoptera, Apiformes) entlang eines Stadt-Land-Gradienten

  • André Krahner Julius Kühn-Institut (JKI) – Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Bee Protection, Braunschweig, Germany
  • Henri Greil Julius Kühn-Institut (JKI) – Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Bee Protection, Braunschweig, Germany
Schlagworte: Bienen, Hymenoptera, Schutzmaßnahmen, urban, rural, Gradient

Abstract

Die Bedeutung von Städten als Refugien für Bestäuber­insekten zeichnet sich zunehmend ab. Bienen spielen eine wichtige Rolle in der Stabilisierung von Ökosystemen, sowohl im ruralen als auch im urbanen Kontext. Während bienenfördernde Maßnahmen vor allem im landwirtschaftlichen bzw. ruralen Kontext untersucht wurden, besteht eine große Wissenslücke in Bezug auf die Effektivität solcher Maßnahmen in urbanen Landschaften. Ziel dieses Übersichtsartikels ist es, einen Überblick über jüngere Forschungsaktivitäten basierend auf der im Peer-Review-Verfahren publizierten Literatur zu geben, um Empfehlungen für zukünftige Forschungsprojekte zum Schließen dieser Wissenslücke abzuleiten. Während Studien zu Saatgutmischungen hauptsächlich auf Ernährungsaspekte abzielen, sind Studien zu Staudenpflanzungen auf vergleichsweise wenige Pflanzentaxa beschränkt. Die Durchführung vergleichbarer Stu­dien zu Effekten von Baumpflanzungen auf Bienenpopulationen wird durch eine geringgradige Methodenstandardisierung erschwert. Der Naturschutzwert künstlicher Niststrukturen in Städten bedarf weiterer Erforschung, insbesondere im Hinblick auf bodennistende Bienen­arten. Während mehrere Fallstudien auf eine Ernährungsfunktion von Gründächern für urbane Bienenpopulationen hindeuten, sind die Ergebnisse bezüglich der vertikalen Isolation von Gründächern nicht eindeutig. Zahlreiche Faktoren wurden identifiziert, die die Diversität und Populationsstruktur im urbanen Raum auf lokaler und Landschaftsebene beeinflussen. Der relevante Landschaftsmaßstab wird in den meisten Fällen durch Radien zwischen 500 und 1000 m repräsentiert. Zukünftige Studien, deren Versuchsaufbau einen kontinuier­lichen und vollständigen Urbanisierungsgradienten berück­sichtigt, werden von Nutzen sein, um die zahlreichen Ergebnisse zu bienenfördernden Maßnahmen in Agrarlandschaften mit den bislang wenigen Ergebnissen in urbanen Landschaften zu vergleichen. Studien, die die genetische Struktur von Bienenpopulationen im Hinblick auf Urbanisierung berücksichtigen, repräsentieren bislang nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Bienenvielfalt. Die Weiterentwicklung molekularbiologischer Methoden könnte in naher Zukunft neuartige Werkzeuge zur Bewer­tung des Erfolgs bienenfördernder Maßnahmen im Hinblick auf die Habitatkonnektivität bereitstellen.

Veröffentlicht
2020-05-01
Rubrik
Übersichtsarbeit